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Wie die Epigenetik das Altern beeinflusst

Wie die Epigenetik das Altern beeinflusst

Die DNA des Menschen in Gänze zu entschlüsseln und entscheidend zu beeinflussen, ist das Ziel vieler Wissenschaftler. An der Spitze dieser Forschungen steht die sogenannte Epigenetik. Hierbei handelt es sich um die Möglichkeit der Kontrolle genetischer Informationen. Der genetische Code selbst bleibt dabei jedoch unverändert. Spezielle Abschnitte der DNA werden chemisch modifiziert. Infolgedessen können bestimmte Gene aus- beziehungsweise eingeschaltet werden. Dadurch lässt sich bestimmen, welche Geninformationen abgelesen und transkribiert und welche übergangen werden. Die Epigenetik ist an einer Vielzahl von Prozessen in den Zellen beteiligt und Grundvoraussetzung für einen vielzelligen Organismus. Ohne die Epigenetik wäre die Entwicklung unterschiedlicher Zellen und Organe gar nicht möglich.

Epigenetische Veränderungen mit fortschreitendem Alter

Das epigenetische Muster verändert sich im Laufe unseres Lebens. Infolgedessen treten Zeichen des Alters wie graue Haare, Falten sowie Erkrankungen auf. Ursächlich hierfür sind die Enden unserer Chromosomen, die Telomere. Sie bestehen aus einer bestimmten Anzahl sich wiederholender DNA-Bausteine. Diese Chromosomenenden dienen als Schutzkappen unserer DNA und haben stabilisierende Effekte. In den meisten Körperzellen verkürzen sich die Chromosomenenden jedoch kontinuierlich mit jeder Zellteilung. Diese Veränderungen stehen in direktem Zusammenhang mit Alterserscheinungen und altersbedingten Erkrankungen.

Telomere und die Lebensdauer unserer Zellen

Tritt eine kritische Telomerlänge ein, können sich unsere Zellen nicht mehr weiter teilen und der programmierte Zelltod wird eingeleitet. Das ist erforderlich, da bei weiteren Teilungen die genetische Stabilität nicht mehr gewährleistet werden kann. Unsere Zellen besitzen also eine Art innere Uhr, welche die Lebenszeit der Zellen beeinflusst. In bestimmten Zellen unseres Körpers (beispielsweise Keimzellen und Zellen des Immunsystems) ist ein Enzym aktiv, welches die Telomere wieder verlängern kann – die Telomerase. Dieses Enzym ist vermehrt in sich häufig teilenden Zellen aktiv. Ebenso ist eine erhöhte Aktivität von Telomerase in vielen Krebszellen nachweisbar. Diese gefährlich veränderten Zellen erhalten ihre Unsterblichkeit durch die Telomerase, welche die Enden der Chromosomen immer wieder verlängert.

Stress und Schadstoffe: Beschleuniger des Alterungsprozesses

Unsere Lebensweise kann die Vorgänge der Epigenetik zu beeinflussen. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass sich Stress auf den Alterungsprozess auswirkt und ihn vorantreibt. Auch körperlicher Stress hat einen negativen Einfluss auf die Zellen. Nikotin und andere oxidierende Substanzen können die Chromosomenenden angreifen und somit verkürzen. Übermäßiges Rauchen und Belastungen durch andere Schad- und Giftstoffe können folglich die Alterung beschleunigen.

Mögliche Therapieansätze zur Verlangsamung der Alterung

Mittlerweile untersuchen Wissenschaftler pflanzliche Substanzen auf ihr Potenzial, auf die Telomerase Einfluss zu nehmen und somit gezielt der Zellalterung entgegenzuwirken. Desweiteren wird verstärkt an epigenetischen Therapiekonzepten geforscht, die systematisch DNA-Schäden reparieren und zugleich präventiv wirken, um das biologische Altern zu verzögern.