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Spirulina und Chlorella Algen – Nährstoffbombe aus dem Meer oder Wellness-Lüge?

Algen – Nährstoffbombe aus dem Meer oder Wellness-Lüge?

Im Wellness- und Beautybereich gehört die Algenmaske zu jeder Behandlung. Weniger bekannt sind bisher die positiven Effekte einer innerlichen Anwendung. Unter den Begriff Algen fallen im weitesten Sinne alle im Wasser lebenden und zur Photosynthese fähigen Pflanzen und Organismen. Positiven Effekt auf den menschlichen Organismus haben unter den rund 35.000 bislang gelisteten Arten sowohl die Makroalgen (im Volksmund Seetang genannt), da diese laut Forschung besonders reich an Aminosäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen aller Art sind, als auch die Mikroalgen, die einen besonders hohen Vitamin-B12-Gehalt aufweisen. Während Makroalgen häufig als Zusatz in Lebensmitteln verwendet werden, werden die Mikroalgen in der Regel zur Nahrungsergänzung eingesetzt und in Form von Pulver, Kapseln oder Tabletten zugeführt. Für eine gesunde Ernährung bedeutsam sind laut Expertenmeinung vor allem Grünalgen, Rotalgen und Braunalgen.

Wirkung und Inhaltsstoffe von Chlorella und Spirulina

Unterschiedliche Arten werden für jeweils unterschiedliche Nährstoffe geschätzt: Während die Kelp Braunalge (Laminaria digitata) sehr viel Jod und Proteine enthält, ist die Spirulina Alge (Spirulina platensis) reich an Eisen, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren. Die Chlorella Alge gilt aufgrund ihres hohen Protein- und Vitamin-Gehalts als eine der nährstoffreichsten Pflanzen der Welt. Ein ausgezeichneter Kalzium- und Jod-Lieferant sind die sogenannten Rotalgen (Lithothamnium calcareum). Neben der Versorgung des Organismus mit wichtigen Nährstoffen sind jedoch auch andere gesundheitsfördernde Eigenschaften von Algen bekannt. So ist im vergangenen Jahr beispielsweise ein vielversprechender Wirkstoff gegen HI-Viren in einer Braunalge in Saudi Arabien entdeckt worden. Mikroalgen werden aufgrund ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren außerdem als mögliche Nahrungsergänzung für Veganer diskutiert. Insbesondere die Spirulina Alge ist zudem reich an sogenannten Antioxidantien. Diese Stoffe binden die körpereigenen freien Radikale, die ihrerseits Auslöser einer Menge von Erkrankungen (darunter auch einige Krebsarten) sein können.

Chlorella, Spirulina als Anti-Aging-Mittel

Die positive Wirkung von Algenextrakten auf die Haut ist schon seit längerem bekannt: Rund 50 Algenarten stehen bisher in dem Ruf, den sichtbaren Alterungsprozess der Haut zu verlangsamen, indem die aus ihnen gewonnenen Polysaccharide die Haut zusätzlich mit Feuchtigkeit versorgen. Zudem regen die in Algen enthaltenen Aminosäuren die Proteinsynthese der Haut an, wodurch die kollagenen Fasern stimuliert werden können. Doch auch als Nahrungsergänzungsmittel können entsprechende Extrakte interessant sein, da sie den Energiestoffwechsel ankurbeln und durch ihren hohen Gehalt an Antioxidantien zudem die Zellen schützen können.

Erfahrungen zu Chlorella und Spirulina – Vorsicht vor dem Medienhype

Natürlich sind Algen nicht das Wundermittel, als das sie in den Medien gern dargestellt werden. Es gibt zwar zahlreiche Studien, die eine positive Wirkung von Meeresorganismen belegen, doch es gibt auch kritische Stimmen. Zudem sind von den rund 35.000 gelisteten Algenarten erst rund 800 tatsächlich erforscht – und auch hier liegen bislang keine Langzeitstudien vor. Hinzu kommt die Notwendigkeit, bei allen Präparaten die Herkunft der Inhaltsstoffe genauestens zu überprüfen. So sind beispielsweise seit dem Reaktorunglück in Fukushima viele Algenarten vor der japanischen Ostküste stark radioaktiv belastet.

Gesundheitsrisiken durch Algenpräparate?

Da es sich bei Deutschland um ein Jodmangelgebiet handelt, werden Algen hierzulande vor allem für ihren hohen Gehalt an Jod geschätzt. Allerdings liegt der empfohlene Tagesbedarf für einen erwachsenen Menschen bei maximal 5 mg pro Tag – der Nährwert mancher Algenarten schwankt pro kg jedoch zwischen 5 und 11.000 mg. Eine Jod-Überdosierung kann zu einer erheblichen Schädigung der Schilddrüsenfunktion führen. In diesem Kontext hat die Stiftung Warentest manche Algenprodukte aufgrund eines nachgewiesenen hohen Schadstoffanteils außerdem als „grüne Gefahr“ eingestuft und darauf hingewiesen, dass die Wirkung entsprechender Präparate nicht ausreichend medizinisch belegt ist.